Das planlose Vorgehen der Stadt und des NABU

Aus Sicht der lokalen Naturschützer im Beirat der Unteren Naturschutzbehörde und ganz besonders der NABU Schutzstation Lev-Köln stellt offensichtlich eine extensive Beweidung mit Rindern das Ei des Kolumbus aus naturschutzfachlicher Sicht dar. Besser geht es nicht mehr. Das diese Behauptung naturschutzfachlich für ein Überschwemmungsgebiet und die hier definierten Zielbiotoptypen mehr als fragwürdig ist, haben wir ja schon mehrfach ausgeführt.

Ganz praktisch kommt hier ein weiterer Punkt zum tragen: niemand übernimmt die Verantwortung für die Steuerung eines so massiven Eingriffs in ein sensibles Naturschutzgebiet. Die Rheinaue in Worringen wird seit 30 Jahren beweidet. Mit Schafen und das naturschutzfachlich sehr erfolgreich. Die Artenvielfalt in der Aue ist dieser Form der Pflege geschuldet.

Was passiert nun seit Karfreitag 2019 in der Aue? Es werden 18 Rinder in das NSG gestellt und eine Landschaftsarchitektin denkt sich einen Einzäunung aus. Nach kurzer Zeit wird klar, dass das ursprüngliche Konzept nicht trägt. Als passt man an. Die 18 Rinder weiden nun nicht mehr auf 31ha, sondern über Monate nur in einem 7.2ha großen Teil. Dieser Uferbereich wird durch diese intensive (!) Beweidung nachhaltig geschädigt. Bis heute standen die Rinder nie auf dem westlichen Teil der Weidefläche. Die Besatzdichte war und ist folglich viel höher als geplant – mit den entsprechenden Folgen.

Im östlichen Teil der Weidefläche (vormals Naturschutzgebiet) wurde eine Art Behelfszaun aufgebaut. Der soll die Bürger*innen davon abhalten, auch nur ein Fitzelchen vom Weg abzukommen. Beschildert wurde der Weg bis heute nicht – also gibt es auch keine Wege – aber Hauptsache die Menschen werden ausgesperrt. Den Kühen macht das nix – wie man im folgenden Video schön sehen kann.

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Laut Landschaftsplan muss bei einer Mahd das Schnittgut abgefahren werden. Damit soll eine Nährstoffeinfuhr in das NSG verhindert werden. Die Rinder und die Mahd müssen aufeinander abgestimmt werden. Die Kühe sollen ja gezielt einer Sukzession durch das Fressen von Büschen und Sträuchern entgegenwirken. Wie sinnvoll es dann ist, dass die Rinder mit altem Brot und Heu zugefüttert Brot für die Rinderwerden, kann sich wahrscheinlich jedes Kind im Grundschulalter ausrechnen.

Letzte Woche wurden dann wieder die Schafe zum Einsatz gebracht. So wie in den letzten 30 Jahren des Naturschutzgebiets. Im westlichen Teil der Beweidung mussten die Schafe das leisten, was mit den Rindern offensichtlich nicht möglich war. So viel zu einem durchdachten und planvollen Vorgehen.

Praktisch können wir festhalten:

  • die Rinder standen noch nie auf der geplanten Fläche von 31ha
  • es muss von einer landwirtschaftlichen Nutzung durch eine intensive Beweidung ausgegangen werden
  • die Rinder werden mit Zusatzfutter versorgt und damit kommt es zu einem zusätzlichen Nährstoffeintrag in das NSG
  • der Zaun ist in weiten Teilen im Hinblick auf die Rinder praktisch witzlos
  • es müssen Schafe eingesetzt werden um die nicht erfolgte „Pflege“ durch die Rinder zu kompensieren

Dann fahren wir halt mal querfeldeinDas weiterhin kreuz und quer neue Fahrspuren in dem Naturschutzgebiet zu finden sind. Das weiterhin große Teile landwirtschaftlich genutzt werden. Das scheint alles keine Rolle zu spielen.

Es bleibt nur noch ein Ziel zu erkennen: die Menschen aussperren. Egal welchen naturschutzfachlichen Preis das Naturschutzgebiet dafür zahlen muss. Das die Beweidungsmaßnahme mit dem Großvieh krachend gescheitert ist, kann wirklich niemand mehr abstreiten. Die Schäden für das Naturschutzgebiet sind teils immens. Die 30 Jahre lang erfolgreiche Pflege durch eine Beweidung mit Schafen und einer Mahd wird dem Ziel geopfert, die Naherholung der Bürger*innen mit allen Mitteln einzuschränken.