Unser Anliegen

Unser Worringen tritt für den vollständigen Rückbau der Einzäunung der Worringer Rheinaue ein. Nach § 59 Absatz 1 BNatSchG ist das Betreten der freien Landschaft auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung allen gestattet. Hier gilt außerdem Artikel 2 Absatz 1 GG, der die allgemeine Handlungsfreiheit im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung gewährleistet. Dementsprechend ist schon aus verfassungsrechtlicher Sicht geboten, das Betretungsrecht nur bei Vorliegen wichtiger Gründe einzuschränken.

Diesen rechtlichen Rahmen erwähnen wir, weil eine Beschränkung der Nutzung eines Gebietes wie der Rheinaue in Worringen keine Lappalie darstellt, sondern einen erheblichen Eingriff in die Rechte der Bürger*innen. Unser Worringen lehnt dieses Aussperren der Bürger*innen als unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte der hier lebenden Bürger*innen ab.

Die Stadt Köln führt hier als einzige Begründung an, dass störungssensible geschützte Tierarten durch Erholungssuchende erheblich gestört werden. Diese Behauptung wird durch keine wissenschaftlich nachprüfbaren Fakten unterlegt. Es ist eine Behauptung die man glauben kann, die aber nicht die Situation in diesem Naturschutzgebiet wiederspiegelt. Unser Worringen bezweifelt diese Begründung, bei der nicht einmal der Versuch gemacht wird, sie zu begründen.

Die getroffenen Maßnahmen lassen kein Konzept erkennen, das tatsächlich eine Verbesserung für Flora und Fauna bringen kann. Im Gegenteil – die Maßnahmen haben zu einer Zerstörung von Natur und zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt.

Durch Viehtritt zerstörte Wiese

(die vorhandene Ufervegetation wurde durch die Beweidung fast vollständig zerstört)

Bei genauer Betrachtung sind bei der Umsetzung dieser Maßnahme grobe Fehler bei der Grundlagenermittlung, Planung und Umsetzung der Ausgleichsmaßnahme „Beweidungskonzept Rheinaue Worringen“ zum Leverkusener Brückenbau „A-LEV“ gemacht worden!

Schon die Standortanalyse betrachtet die Worringer Rheinaue lediglich als Naturraum, den es zu schützen gilt. Dabei wurde völlig außer Acht gelassen, dass gerade dieses Gebiet ein Kulturraum, eine Kulturlandschaft darstellt, die seit der Ansiedlung des Menschen unter dessen Einfluss stand und heute noch steht.

Der Rhein, Mensch und Natur existieren hier in einer Symbiose! Sie sind voneinander abhängig und beeinflussen sich gegenseitig.
1288 ist Worringen erstmalig urkundlich erwähnt, seit 500 v.Chr. ist dieses Gebiet besiedelt. Der Grund für die Entstehung der Siedlung war der Rhein. Er war Versorgungsweg, diente der Bewässerung von Feldern, war wirtschaftliche Grundlage für die Fischer und das Treidelgeschäft der Schifffahrt. Noch heute ist dieser Ort die Grundlage für die wirtschaftliche Versorgung der hier lebenden Menschen. Die ansässige Industrie (Bayer, Ineos, Ford) nutzt den Rhein als Standortvorteil.

Die „alten Worringer“ lernten hier schwimmen, sie lebten und leben mit dem jährlichen Hochwasser, dessen Auswirkungen vielerorts existenzbedrohend waren. Sie regenerieren sich bei Spaziergängen in den Rheinauen, durch das unmittelbare Erleben des vorbeifließenden Gewässers. Sie regenerieren sich durch den weiten, unbegrenzten Blick über die Rheinwiesen und -landschaft.
Die Worringer pflegen seit 2008 ehrenamtlich einmal jährlich die Rheinauen. „Worringen putzt sich“ heißt die Aktion, organisiert durch den Bürgerverein, bei dem angeschwemmter Müll bzw. Unrat, der von unachtsamen Menschen hinterlassen wurde, eingesammelt und entsorgt wird. Ohne die Freiwilligenaktion sähe das Rheinufer heute anders aus!  Die Einzäunung des Uferbereichs verhindert die Landschaftspflege.

Unser Worringen will Artenreichtum und Biodiversität im Lebensumfeld der Menschen in Worringen erhalten und fördern. Wir lehnen einen „Zoo“, den die Bürger nur noch durch einen Zaun betrachten können, grundsätzlich ab.

Wir forderen den vollständigen Rückbau der Beweidungsmaßnahme und das Entfernen des gesamten Zauns aus der Worringer Rheinaue.

Der angebliche Kompromiss

Der von der Stadt Köln, Straßen.NRW und Teilen des Vorstands des Bürgervereins in geheimen Absprachen ausgehandelte Kompromiss stellt aus der Sicht von Unser Worringen eine deutliche Verschlechterung der Situation dar und wird von uns daher vollständig abgelehnt. Der Vorstand des Bürgerveins stellt diesen Kompromiss als Erfolg dar, der die „allermeisten Bedenken“ gegen die Einzäunung der Rheinaue ausräumt. Das ist aus unserer Sicht keineswegs der Fall.

Wir reden hier über einen Kompromiss, in dem der folgende Passus enthalten ist:

Der Kompromiss stellt aus Sicht der Behörde und der Naturschutzstation die äußerste Grenze dessen dar, was für den Natur- und Artenschutz und die Ziele der Ausgleichsmaßnahme vertretbar ist.
Sollte das Monitoring negative Entwicklung des Gebiets zeigen oder durch die Kontrollen nachgewiesen werden, dass die Bevölkerung sich nicht an die Vorschriften und den Kompromiss hält, so ist in Konsequenz eine komplette Beruhigung des Gebietes unumgänglich.

Das bedeutet nichts anderes, als das ein paar wenige Verstöße gegen die willkürlich aufgestellten Regeln ausreichen, um eine komplette (!) Sperrung der Worringer Rheinaue durchzuziehen. Dies ist undemokratisch und absolut inakzeptabel.

Noch mehr Zaun in der Rheinaue

(Der beginnende Aufbau der neuen Zaunanlage gemäß Kompromiss. Nicht weniger, sondern mehr Zaun wird hier aufgestellt)

Wenn man das Bild betrachtet und liest dazu beim Bürgerverein „Wir wissen aber auch, dass nicht wenige Bürger es als bereichernd empfinden, wenn dort Weidetiere grasen. Die Menschen dürfen sich aber keinesfalls aus ihrer Heimat ausgesperrt fühlen„, dann muss man sich schon fragen, was uns der Bürgerverein da verkaufen will. Außerdem handelt es sich hier um ein sensibles Biotop. Da muss es relativ wurscht sein, ob hier schnuckelige Tier schön anzusehen sind, wenn diese Tiere das Biotop nachhaltig verändern.

Ein DrängelgatterWeiter schreibt der Bürgerverein: „Auch der Treidelpfad vom Werthweg in Richtung Langel wird für Fußgänger im Rahmen der stillen Erholung auf vorhandenen Wegen wieder nutzbar„. Er erwähnt dabei nicht, dass hier Spaziergänger*innen mit Hund ausdrücklich ausgeschlossen sind („Der Weg und der Durchgang sind für Hunde verboten“). Aber nicht nur die Hunde haben hier Pech gehabt. Auch behinderte Menschen, die auf Gehhilfen oder einen Rollstuhl angewiesen sind, haben hier das Nachsehen.

Und weiter geht es mit der verklärten Darstellung der Umbaumaßnahmen durch den Bürgerverein: „Der in den Rhein führende Zaun wird hier [gemeint ist die nord- westlichen Fläche] ersatzlos entfernt. Das Rheinufer wird an Kilometer 709 wieder erreichbar„. In der Realität liest sich das im Kompromiss ganz anders: „Der Zaun an der Uferseite dieser Weide wird entfernt. Eine Begehung der Uferbereiche darf gemäß den Festsetzungen des Naturschutzgebietes dennoch nicht stattfinden. Der Kompromiss schafft keine Verbesserung – im Gegenteil. Zusammen mit der im Kompromiss explizit ausgesprochenen Androhung einer vollständigen Sperrung des Gebiets, muss man den Kompromiss als Verschärfung der Situation und damit als deutliche Verschlechterung betrachten.

Unser Worringen verlangt darüber hinaus eine Ablösung der Naturschutzstation Leverkusen Köln für die weitere Betreuung des Naturschutzgebiets. Im Zuge der Umsetzung dieses Beweidungskonzeptes und den damit einhergegangenen Zerstörungen im Naturschutzgebiet, aber auch im Hinblick auf leichtfertigen Stellungnahmen zu einer frühzeitigen Mahd im Naturschutzgebiet, bezogen auf ein nicht erkennbares Konzept für die Pflege und Erhaltung der zu schützenden FFH-Lebensraumtypen und die sehr wenigen Daten die in den letzten Jahren beim Monitoring durch die Schutzstation erhoben wurden, muss die fachliche Qualifikation angezweifelt werden. Außerdem fehlt der Schutzstation offensichtlich der Wille, die Bevölkerung in den Naturschutz der Rheinaue einzubinden. Naturschutzmaßnahmen gegen den Willen der Bürger*innen sind nicht erfolgversprechend.