Dem Zufall überlassen

Braucht ein Naturschutzgebiet eine intensive Betreuung? Kann man eine neue Beweidungsmaßnahme einrichten, ohne diese regelmäßig zu kontrollieren?

Der Landwirt, der die Rinder in die Rheinaue gebracht hat, kontrolliert täglich kurz ob noch alle Rinder da sind – dafür fährt er immerhin rund 120km – in der Regel zweimal am Tag. Wenn er das Gefühl hat, den Rindern fehlt Nahrung, dann bringt er altes Brot oder Heu mit. Das ist in einem Naturschutzgebiet (NSG) eindeutig nicht sinnvoll – selbst nach einer Mahd muss die gemähte Biomasse entfernt werden. Diese wieder einzubringen widerspricht dieser im Landschaftsplan klar definierten Regel. Welchen Sinn hat eine Beweidungsmaßnahme, wenn die Tiere nicht mehr die unerwünschte Vegetation fressen, sondern mit Heu versorgt werden? Die Rinder werden hier ja nicht gehalten, weil es eine schöne Fläche für die Viehzucht ist, sondern als Pflegemaßnahme für das NSG.

Die vorgeschriebenen Unterstände gibt es bis heute nicht und wohl auch keine Untersuchung des Schadstoffgehalts im Uferbereich der Aue. Ist das aus der Sicht des Tierschutzes OK – nein, das ist es sicher nicht.

Müsste die Verwaltung der Stadt Köln hier nicht regelmäßig (wöchentlich) vor Ort sein? Wie oft erhebt die Schutzstation Lev-Köln die Auswirkungen der Beweidung? Ist sie mit einem Ornithologen dazu qualifiziert? Der Zielbiotoptyp „Flutrasen“ ist im Uferbereich der Beweidungsfläche fast ganz vernichtet worden. Dies ist der intensiven Beweidung geschuldet, die in den ersten Monaten der Beweidung in der Rheinaue stattgefunden hat. Bis heute wird nur ca. 50% der geplanten Fläche für die Beweidung genutzt. In den ersten Monaten war es ausschließlich der Uferbereich und damit höchsten 20% der Fläche. So wird aus einer extensiven eine intensive Beweidung und das übersteht kein NSG längere Zeit.