Klimawandel und der Mensch in der Rheinaue

Wir warten nun schon runde drei Monate auf die Zahlen über das „Monitoring“ der Tier- und Pflanzenwelt in der Worringer Rheinaue. Noch immer ist die Untere Naturschutzbehörde mit der „Aufbereitung“ der Daten beschäftigt. Das ist ein wenig frustrierend, aber wohl nicht zu ändern. Interessant ist der Ursprung dieser Zählungen. Alle erfassten Daten stammen aus der Feder eines einzelnen Mitarbeiters der Naturschutzstation Leverkusen-Köln. Wir können nur hoffen, dass dieser Ornithologe (Dipl. Biologe) richtig zählt. Weder die Methodik (wie er zählt), noch die Ergebnisse selber wurden je geprüft. Da er sicher nicht frei von eigenen Interessen (Schutz der Vögel um jeden Preis) ist, gibt das den Zahlen zumindest einen fragwürdigen Anstrich. Im Naturschutz wird sehr viel mit Näherungen (Schätzungen, Annahmen) gearbeitet (vgl. Prof. Dr. Maximilian Weigend, Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen an der Uni Bonn, KStA vom 14.10.2019) – wenn überhaupt Daten vorliegen. Das macht die Bewertung einer Situation und die Auswahl der passenden Maßnahmen sehr schwierig.

Nach allem was wir wissen, hat sich zumindest der Bestand an Vogelarten/Individuen in der Rheinaue Worringen in den letzten 20 Jahren gegen den welt-, europa- und landesweiten Trend, noch gut entwickelt (nicht wesentlich verschlechtert). Die Rheinaue reagiert natürlich auf einen globalen Klimawandel oder andere großräumige Einflüsse, genau wie auf lokale Besonderheiten. Die Stadt schiebt alle Verantwortung einzig den Störungen durch die Bürger*innen zu, ohne diese belegen zu können. Mehrere entsprechende Anfragen wurden eindeutig beantwortet: es gibt keine Zählungen zur Zahl der Besucher, Störungen durch Besucher, Art der Störungen oder auch nur Zahl der festgestellten Ordnungswidrigkeiten.

Besonders große Probleme mit dem Rückgang der Arten gibt es für Pflanzen, die auf nährstoffarme Böden angewiesen sind (ebd.). Diese Pflanzengruppe soll auch in der Rheinaue geschützt werden (-> Zielbiotop). Neben zu vielen Stickoxiden in der Luft, ist die Intensivierung der Landwirtschaft ein wesentlicher Grund für die Probleme dieser Pflanzenarten. Aus diesem Grund schreibt der Landschaftsplan der Stadt für die Rheinaue in Worringen ausdrücklich vor: „Die Beseitigung des Mahdgutes ist zur Kompensation der Nährstoffeinträge durch Hochwässer zwingend erforderlich, um so einer Überdüngung und damit Florenveränderung der Grünlandzonen entgegenzuwirken.“ (Landschaftsplan S. 89).

Bei den Rindern wird von Anfang an zugefüttert (Heu und Brot). Dazu schreibt die Untere Naturschutzbehörde: „Der verantwortliche Landwirt hat ausschließlich Heu verwendet, welches von der Fläche selbst stammt, sodass kein externer Nährstoffeintrag auf der Weide erfolgt.“ (Mail vom 13.08.19). Offensichtlich hat die Verwaltung ihre eigenen Regeln nicht verstanden. Das Heu soll eben nicht in der Fläche verbleiben. Für die gewünschten Zielpflanzen in diesem Biotop ist das problematisch und sicher keine Verbesserung.

Bei einem Besuch der Ratsgruppe „Unsere Freunde“ hatten wir Kontakt zu einer Vertreterin des NABU. Sie erzählt von offenen Weidelandschaften mit Wildpferd, Wisent und Auerochse als natürliche Landschaftsform für die Rheinauen. Das ist eine durchaus umstrittene Theorie. Mal abgesehen davon, dass diese Tierarten teilweise schon vor über 10.000 Jahren ausgestorben sind, gibt es durchaus Hinweise auf eine weitgehende Waldbedeckung im nacheiszeitlichen Europa (Prof. Weigend, ebd.). Die Rheinaue ist eine Kulturlandschaft. Sie ist in ihrer heutigen Form durch den Menschen entstanden. „Viele dieser Arten, die wir heute auf unserer Roten Liste stehen haben, gäbe es ohne menschliche Nutzung dieser Flächen gar nicht.“ (ebd.) und weiter schreibt Prof. Weigend: „Wo ist die Rechtfertigung dafür, bestimmte Arten zu erhalten an einer Stelle, wo sie natürlicherweise gar nicht vorkommen?“

Mit Kreuzfeld soll in unmittelbarer Nähe zu Worringen ein neues Kölner Stadtviertel entstehen. In Worringen gibt es Pläne für eine Umwandlung des Landschaftsschutzgebiets am Bruch in Bebauungsflächen für neuen Wohnraum. Wo sollen alle diesen neuen Bürger*innen ihre Freizeit verbringen? Wo sollen sie Naherholung erleben wenn große Teile der Rheinaue eingezäunt und für diese Art der Nutzung gesperrt werden? Ist nicht dieser unbedingte notwendige Erholungscharakter der Rheinaue eine moderne, angepasste und notwendige Nutzungsform für die Rheinaue? Müssen wir nicht das Miteinander von Mensch und Natur fordern und fördern? Das verlangt sicher Rücksicht auf die Belange des Naturschutzes, aber nicht unter Ausschluss der Menschen, sondern durch eine Integration und ein intelligentes Konzept aus Information und Anleitung.